Griechenland: Zwischen Reformeifer und Niedergang

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Griechenland steht erneut vor einer schweren Bewährungsprobe: Harte sozialpolitische Einschnitte und tiefgreifende Reformen sollen umgesetzt werden. Doch die Pläne stoßen in der Bevölkerung auf erbitterten Widerstand.

Scheitert Griechenland? Braucht das Land einen umfassenden Schuldenschnitt, um sich zu erholen? Wird es eine Lösung geben?

Die geplanten Reformen in Griechenland

Auch wenn man in Brüssel und in Berlin nicht müde wird, die Notwendigkeit von grundlegenden Reformen zu betonen: Diesmal scheint der Bogen überspannt. Die geplanten Änderungen haben drakonische Auswirkungen auf die griechische Wirtschaft und Gesellschaft.

Die Renten sollen weiter gekürzt werden. Doch noch immer liegt die Arbeitslosenquote bei offiziell über 25 Prozent. Viele Arbeitslose haben in ihrer Not und Verzweiflung bei den Eltern und Großeltern ein Unterkommen gefunden, so dass Großfamilien inzwischen mit einer Rente über die Runden kommen müssen. Eine staatliche soziale Absicherung in Form eines Arbeitslosengeldes II gibt es in Griechenland nicht. Wer nach einem Jahr keinen Job gefunden hat, fällt unweigerlich durch die Maschen des Sozialstaates. Weitere Einschnitte in die Rentenversicherung haben daher erhebliche Auswirkungen.

Doch auch steuerpolitisch tritt Athen eine Odyssee an. Nicht nur die Tabaksteuern erreichen Rekordhöhen, sondern auch die Mehrwertsteuer, die auf drastische 24 Prozent angehoben werden soll. Die Dinge des täglichen Bedarfs werden so noch teurer. Doch jetzt kommt das Steuerkarussell erst richtig in Fahrt: Auch auf Benzin, Erdgas, Dividenden, Lotterielose, Internetanschlüsse und Bezahlfernsehen soll es höhere Steuern geben. Touristen werden mit einer neuen Übernachtungsabgabe zur Kasse gebeten. Des Weiteren soll der Spitzensteuersatz angehoben werden.

Ein Schuldenschnitt ist unvermeidlich

Diese Reformen mögen die besorgten Geldgeber in Brüssel beschwichtigen und besänftigen; doch die praktischen Konsequenzen sind mehr als fragwürdig. Griechenland wird noch tiefer in die Krise schlittern. Die hohen Steuern und Abgaben werden ausländische Investoren abschrecken und die Bevölkerung weiter verarmen lassen. Schon jetzt lebt mehr als ein Viertel der Bevölkerung unter der Armutsgrenze.

Über kurz oder lang wird man auch in Brüssel und in Berlin die Realität zur Kenntnis nehmen müssen: Griechenland benötigt einen Schuldenschnitt.

Fraglich bleibt jedoch auch, ob nach einem solchen Cut Athen sich erholt. Viele Voraussetzungen fehlen leider: eine funktionierende Infrastruktur, sinnvolle Investitionen, die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit. Griechenland hat noch einen weiten Weg vor sich.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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