Die Eurozone in der Krise

17-Muenze-aDie Eurozone steht vor schweren, neuen Herausforderungen. Es gibt eine Vielzahl von möglichen Problemen, die bislang ungelöst sind. Das italienische Bankensystem muss ausfallgefährdete Kredite in Höhe von mehr als 360 Milliarden Euro verkraften. Bisher ist noch nicht klar, ob es zu einem umfassenden Bail-in kommt, bei dem Aktionäre, Anleiheneigner und Bankkunden für den Schaden aufkommen. Neben Italien sind auch die Bankensysteme anderer Mitgliedsstaaten in den Eurozone betroffen.

Die Eurozone hat es versäumt, nach der schweren Krise im Jahr 2007 und 2008 die europäischen Banken umfassend zu rekapitalisieren. Statt dessen wurde das Problem vertagt und in die Zukunft verschoben. Die Eurozone befindet sich in einer bedenklichen Situation. Folgende grundlegende Probleme belasten die Währungsunion:

  • Das italienische Bankensystem ist in einer kritischen Lage (toxische Kredite in Höhe von mehr als 360 Milliarden Euro).
  • Der Austritt Großbritanniens aus der Währungsunion
  • Der soziale Niedergang in einigen Mittelmeerländern beschleunigt sich (Griechenland: 25 Prozent Arbeitslosigkeit, Spanien: 20 Prozent).
  • Das Haushaltsdefizit in Frankreich bleibt weiterhin hoch.
  • Die Zunahme populistischer Bewegungen (Ungarn, Polen, Österreich, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Schweden, Niederlande)
  • Zerstrittene Regierungen und verzögerte Regierungsbildungen (Belgien, Spanien)
  • Regionalisierungstendenzen (Katalonien, Norditalien, Schottland)
  • Mangelnde Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit

Es besteht die konkrete Gefahr, dass weitere Mitgliedsstaaten aus der EU austreten. Die Probleme in Griechenland sind noch nicht einmal im Ansatz gelöst. Dasselbe gilt für Italien und Spanien.

Besonders belastend ist auch das Niedrigzinsniveau. Inzwischen wirft eine zehnjährige Bundesanleihe nur noch 0 Prozent (!) ab. Sollten sich die Zinsen irgendwann normalisieren, selbst wenn dies lediglich ein geringfügiger Anstieg wäre, würden einige Länder in der Eurozone an den Rand einer ökonomischen Katastrophe geraten.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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