Die Krise in der Eurozone und in Italien

17-Muenze-cDie EU und die Eurozone befinden sich in einer schweren Krise. Der Brexit hat bereits die Region in erhebliche Bedrängnis gebracht. Doch nun weitet sich die Krise aus. Die kommenden Jahre werden schwer werden. Es gibt gleich mehrere Krisenherde: das Nullzinsniveau, das immer mehr in eine negative Verzinsung mündet, die Bankenkrise in Italien, weitere Länder, die aus der EU austreten könnten, und die Abschottung der EU von der Weltwirtschaft.

Die negative Verzinsung: Wann kommt der Crash?

Der Begriff ist eigentlich unpassend; denn eine negative Verzinsung gibt es nicht. Es bedeutet vielmehr, dass Investoren, die ihr Geld in Staatsanleihen anlegen, weniger zurückerhalten und vollständig auf Zinsen verzichten. In der Wirtschaftsgeschichte gab es eine solche Situation noch nie. Wir befinden uns in einer außergewöhnlichen Lage. Ein solches Paradox, dass Investoren Staaten Geld bezahlen müssen, damit sie dort anlegen dürfen, ist grotesk. Sobald die Zinsen anziehen werden, dürfte der gesamte Rentenmarkt vor einem Abgrund stehen. Selbst ein moderater Zinsanstieg führt zu deutlich sinkenden Anleihenkursen.

Die Bankenkrise in Italien

Es wird geschätzt, dass es in Italien problematische Kredite in Höhe von über 350 Milliarden Euro gibt. Anstelle eines Bail-in, bei dem Aktionäre, Eigentümer von Anleihen und Kunden große Verluste hinnehmen müssten, will die Regierung in Rom die Banken durch Steuergelder retten. Hierfür benötigt sie eine Ausnahmegenehmigung von Brüssel, da eine Richtlinie grundsätzlich den Bail-in vorsieht. Die Regierung in Rom bevorzugt die Rettung durch Steuergelder, da sie im Herbst ein Referendum über die italienische Verfassung abhalten will. Eine Bankenkrise und der Verlust von Spargeldern in Milliardenhöhe würden auch hier zu einer „Denkzettel-Abstimmung“ führen. Schon diese verfahrene Situation zeigt, wie zerbrechlich die Eurozone ist. Und die nächsten Wahlen in Frankreich und in Deutschland finden 2017 statt.

Der Brexit, die Bankenkrise in Italien, das Nullzinsniveau – all diese Faktoren zeigen auf, wie bedenklich die Lage ist. Die Eurozone könnte schneller zerbrechen, als viele vermuten. Wenn es nicht gelingt, das Bankensystem in Europa zu rekapitalisieren und die Auswirkungen des Brexit in den Griff zu bekommen, dürften die Tage der Eurozone gezählt sein.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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