Ist der Euro in der Krise?

17-Muenze-cDas Referendum über den Brexit hat ganz Europa erschüttert. Mit dem Austritt Großbritanniens wird die Europäische Union deutlich geschwächt. Außerdem könnte es zu weiteren Austritten kommen. Ein besonderes Risiko stellte diese Entwicklung für die Eurozone dar. Die Europäische Zentralbank versucht zwar, durch eine expansive Geldpolitik den Zusammenhalt in der Eurozone zu erhalten, aber die Zentrifugalkräfte nehmen immer zu. Hat der Euro eine realistische Chance?

Betrachten wir im Folgenden die einzelnen Aspekte.

Die negativen Zinsen

Die negativen Zinsen stellen eine ernsthafte Gefahr dar. Noch nie in der gesamten Wirtschaftsgeschichte gab es ein solches Zinsniveau. In Deutschland, in der Schweiz und in Japan werfen Staatsanleihen mit einer zehnjährigen Laufzeit inzwischen negative Renditen ab. Das heißt: Investoren müssen Gebühren entrichten, um überhaupt ihr Geld in Staatsanleihen „parken“ zu dürfen. In Japan sind auch Staatsanleihen mit einer 30-jährigen Laufzeit im Begriff, in die Negativzone zu fallen. Die Auswirkungen sind verheerend: Pensionsfonds und Versicherungen können Gelder nicht mehr mit einer vernünftigen Rendite in verzinslichen Produkten anlegen. Auch das Geschäftsmodell von Banken gerät in erhebliche Schwierigkeiten. Langfristig wird dies die Altersarmut verstärken und auf einigen Märkten (wie dem Immobilienmarkt) zu einer spekulativen Blase führen.

Die Eurozone bricht auseinander

Bislang besteht diese Möglichkeit nur theoretisch. Aber Länder wie Griechenland und Spanien werden sich in der Eurozone nur halten können, wenn sie umfassende Transferzahlungen erhalten. Diese Länder weisen keine ausreichende Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit auf. Die sozialen Spannungen nehmen zu. Die junge Generation hat auf dem Arbeitsmarkt keinerlei Chancen, und die soziale Kluft zwischen Arm und Reich vergrößert sich spürbar. In Griechenland verharrt die Arbeitslosenquote bei erschreckenden 25 Prozent.

Aber auch in anderen Ländern ist die Stimmung schlecht. Sollte jemals ein Referendum über die Mitgliedschaft in der EU in Frankreich stattfinden, wäre der Ausgang äußerst ungewiss. Im Jahr 2005 hat Frankreich schon einmal gegen eine europäische Verfassung votiert. Wenn Frankreich aus der EU und der Eurozone ausscheiden sollte, ist der Euro noch am selben Abend Geschichte.

Sind Reformen eine Lösung?

Die Wahrscheinlichkeit, dass angemessene Reformen durchgeführt werden, ist inzwischen äußerst unwahrscheinlich. Die gesamte EU befindet sich nach dem Referendum in Großbritannien in einer Art Schockstarre. Es gibt nicht eine EU, sondern gleich drei Varianten: Das Europa der Eurozone, das Europa der Gründungsmitglieder (Deutschland, Italien, Frankreich und Benelux) und das Europa der vielen Mitglieder. Die Bereitschaft im großen Plenum, echte Reformen umzusetzen, ist äußerst gering. Die Eurozone und die EU werden scheitern, wenn es nicht gelingt, schnellstens sinnvolle Reformen zu initiieren.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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