Wie wirkt sich eine Bankenkrise in Europa aus?

05-Bretton-bDas Thema „Bankenkrise“ hat wieder deutlich an Aktualität gewonnen. Italienische Banken sitzen auf problematischen Krediten in Höhe von mehr als 260 Milliarden Euro. Bislang ist die Krise trotz aller Beteuerungen ungelöst. Sollte es zu einer Schieflage kommen, könnte dies das Ende der Eurozone bedeuten. Denn eine Bankenkrise in Italien würde sich sehr schnell ausbreiten. Zur Rettung gibt es letztlich zwei Lösungen: Die Regierung in Rom bevorzugt die Verwendung von Steuergeldern, um den Unmut der Bevölkerung einzudämmen. Immerhin steht im Herbst ein Referendum über eine Verfassungsreform an, die das parlamentarische System handlungsfähiger machen soll. Doch die EU sieht zur Bankenrettung primär einen Bail-in vor, bei dem Aktionäre, Anleiheninhaber und Kunden zur Sanierung der Banken herangezogen werden. Welche Folgen hat ein solcher Bail-in für die Kunden?

Der Bail-in

Da einige Länder wie beispielsweise Irland sich im Jahr 2008 bei der Bewältigung der Immobilienmarktkrise und bei der Rettung der Banken finanziell hoch verschuldet haben, wurde in der EU beschlossen, künftig zuerst Anteilseigner und Kunden für die Sanierung von Banken heranzuziehen.

Es ist traurig, aber ein Bail-in trifft fast immer nur Kunden, die schlecht informiert sind. Betrachten wir die kritischen Fälle im Einzelnen.

Die Aktionäre

Bei einem Bail-in werden die Aktionäre indirekt einen Schaden erleiden. Da die betroffene Bank aufgrund der hohen Schulden und der toxischen Kredite schwer angeschlagen ist, sinkt der Aktienkurs drastisch. Die entscheidende Frage lautet: Wer kauft schon die Aktien maroder Banken? Die Aktionäre, die so viel Vertrauen in das Bankensystem haben, müssen sich schon ein paar Fragen stellen lassen. Eine sinnvolle Altersvorsorge sieht jedenfalls anders aus.

Die Anleiheneigentümer

Auch hier muss die Frage gestellt werden: Wer kauft die Schuldverschreibungen (Anleihen) einer Bank? Angesichts der vielen Verwerfungen und der verheerenden Krisen der vergangenen Jahre, die im Bankensektor stattgefunden haben, ist jedes weitere Wort zu diesem Thema Verschwendung.

Die Kunden

Natürlich werden im Krisenfall auch die Kunden zur Sanierung herangezogen. Wer also ein Girokonto, ein Sparbuch oder ein Tagesgeld bei einer entsprechenden Bank unterhält, muss damit rechnen, dass bei einem Bail-in ein Teil des Geldes weg ist. So war es übrigens in Zypern.

Es muss klar unterschieden werden zwischen Forderungen gegen eine Bank und Eigentumsrechten. Wenn Sie ein Girokonto oder ein Sparbuch eröffnen oder etwas auf dem Tagesgeldkonto anlegen, dann leihen Sie Ihrer Bank Geld. Sie sollten sich stets vergewissern, dass die Bank dieses Geld wieder zurückzahlen kann. Natürlich gibt es eine gesetzlich vorgeschriebene Einlagensicherung in Höhe von 100.000 Euro. Aber Kunden, die über ein höheres Vermögen verfügen, können im Bail-in alles bis zur Grenze von 100.000 Euro verlieren. Sollte das Bankensystem in der Eurozone in einem Crash enden, wird auch die Einlagensicherung nicht zu halten sein.

Wenn die Bank hingegen nur Wertpapiere (Aktien, Fondsanteile, ETFs) verwaltet, muss sie bei einer Zahlungsunfähigkeit alles herausgeben. Der beste Schutz gegen einen Bail-in ist also, der Bank niemals Geld zu leihen.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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