Die guten Jahre sind vorbei: Europa und Japan

17-Muenze-dDie Weltwirtschaft befindet sich in einer angespannte Lage. In einigen Regionen stagniert die Produktivität, und der Wohlstand beginnt zu verblassen. Die Kluft zwischen Arm und Reich nimmt deutlich zu. Während in den fünfziger und sechziger Jahren Deutschland noch hohe und beachtliche Wachstumsraten erzielte, waren die folgenden Dekaden von einem schwachen Wachstum geprägt. Die Staatsverschuldung wuchs, und inzwischen hat sie in einigen Ländern katastrophale Ausmaße erreicht. Nehmen wir als Beispiel Japan.

Das japanische Dilemma

Nach dem Ende des Kriegs bis zu Beginn der neunziger Jahre kannte die japanische Volkswirtschaft nur eine Richtung: aufwärts. Hohe Wachstumsraten, eine beneidenswerte Produktivität und eine beispiellose Innovationsfähigkeit bescherten Nippon weltweite Anerkennung. Japanische High-Tech-Produkte waren international begehrt, und Begriffe wie „Kaizen“ standen als Symbol für hohe Effizienz und Fleiß.

Doch mit den neunziger Jahren wurde alles anders. Japan geriet in eine schwere Krise, die bis heute anhält. Eine hartnäckige Deflation beherrscht das Land. Die japanische Zentralbank versuchte, durch eine großzügige Geldpolitik gegenzusteuern – doch bislang ohne sichtbaren Erfolg. Inzwischen werden sogar japanische Aktien über ETFs aufgekauft, und japanische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren weisen eine Negativrendite auf. Selbst in der Schweiz und in Deutschland gibt es so etwas (noch) nicht. Japan ist offiziell mit über 250 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verschuldet – ein Rekordwert unter allen entwickelten Ländern. Griechenland zum Vergleich weist „nur“ einen Schuldenstand von 180 Prozent auf.

Der Niedergang Europas

Japans wirtschaftliche Krise könnte die Blaupause für Europa sein. Auch hier hat die Deflation die Volkswirtschaften fest im Griff. Alle Versuche, durch eine expandierende Geldpolitik die Konjunktur anzukurbeln, waren bislang von wenig Erfolg gekrönt. Die Banken legen die Liquidität vorwiegend in Staatsanleihen an, statt sie Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Die Geldschwemme kommt bei den Haushalten und Unternehmen nur als bescheidenes Rinnsal an.

Zugleich sinkt die Innovationsfähigkeit vieler Volkswirtschaften in Europa. In Spanien, Griechenland und Italien erreicht die Arbeitslosenquote unter jungen Erwachsenen Rekordhöhen. Die Wettbewerbsfähigkeit der Mittelmeerländer befindet sich im freien Fall.

Der Brexit und die Zentrifugalkräfte in Osteuropa, die zu einer fortschreitenden Entsolidarisierung in der EU führen, verschärfen die Krise weiter. Ohne umfassende Reformen, die die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit stärken und für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen, ist der Niedergang Europas vorprogrammiert.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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