Die Zukunft der Eurozone

13-Burg-cEine erstaunliche Nachricht gab es diese Woche: Die deutsche Exportwirtschaft musste im Vergleich zum Vorjahresmonat einen beachtlichen Rückgang von 10 Prozent hinnehmen. Diese Zahl ist erschreckend, denn die meisten Prognosen gingen eher von einem leichten Anstieg aus. Hinzu kommt, dass die Weltwirtschaft weiterhin schwächelt und die Rohstoffpreise sinken. Eine weitere Belastung stellt der Brexit dar; noch immer gibt es keinen konkreten Fahrplan für den Ausstieg Großbritanniens aus der EU. Eine zähe Hängepartie sorgt für weitere Unsicherheit. Angesichts dieser Entwicklung stellt sich eine entscheidende Frage: Hat die Eurozone eine Zukunft?

Die Eurozone wird langfristig nicht bestehen, wenn keine grundlegenden Reformen eingeleitet werden. Die Probleme in der Währungsgemeinschaft sind unübersehbar und fordern eine umfassende und konstruktive Lösung. Betrachten wir einmal die einzelnen Krisenpunkte.

Die zunehmenden Auflösungserscheinungen

Obwohl Großbritannien kein Mitglied der Eurozone ist, zeigt der Brexit doch auf, wie weit inzwischen die zentrifugalen Kräfte innerhalb Europas zunehmen. Die Solidarität zwischen den EU-Staaten steht nur noch auf dem Papier, wie das Verhalten einiger Länder (wie beispielsweise Ungarn) deutlich belegt. Regionalisierungstendenzen sind unverkennbar. In Belgien zeigt sich die Spaltung zwischen dem flämischen und dem wallonischen Landesteil. In Spanien strebt Katalonien nach Unabhängigkeit, und ein zweites Referendum für die Souveränität Schottlands ist nicht unwahrscheinlich. Populistische Bewegungen gewinnen in vielen Staaten an Zulauf.

Wie geht es in Frankreich weiter?

Sollte der italienische Ministerpräsident mit dem Verfassungsreferendum scheitern, könnte die Machtverhältnisse im Parlament in Rom sich völlig ändern. Ähnliches gilt für die Präsidentschaftswahlen in Frankreich, die das Ende der Eurozone schneller besiegeln könnte, als man annimmt. Ein Frexit mag zwar unwahrscheinlich erscheinen, aber undenkbar ist er nicht mehr.

Spanien hat bis heute keine Regierung, und in Portugal und in Griechenland geht die wirtschaftliche Misere weiter.

Das Schicksal des Euro und die Währungsreform

Es genügt ein unbedeutender Vorfall, um die Eurozone in ihren Grundfesten zu erschüttern. Besonders problematisch ist, dass inzwischen hohe Summen auf dem Spiel stehen. Deutschland würde bei einem Auseinanderbrechen der Eurozone mit in den Abgrund gerissen. Eine Währungsreform wäre unumgänglich.

Es bleibt zu hoffen, dass die Politik endlich handelt und die Probleme systematisch angeht. Ohne grundlegende Reformen und eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit wird sich die Eurozone nicht erholen.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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