Gefahr durch Anleihen

13-Burg-dVor über einem Jahrzehnt und noch länger galten Anleihen als wichtige Investments und als ein essentieller Bestandteil der Altersvorsorge. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Inzwischen sind Anleihen zu einer fragwürdigen Anlageklasse avanciert. Die historischen Niedrigzinsen fordern ihren Tribut. Noch nie in der Wirtschaftsgeschichte gab es so niedrige Leitzinsen wie heute. Der Rentenmarkt befindet sich einem historischen Ausnahmezustand. Doch was geschieht, wenn eines Tages die Zinsen wieder steigen?

Die momentane Lage auf dem Rentenmarkt

Im Augenblick ist die Situation verheerend. Einen angemessen Zinssatz erreichen werden Privatleute noch institutionelle Investoren. Besonders kritisch: Experten schätzen, dass etwas ein Drittel aller weltweit vorhandenen Staatsanleihen eine negative Rendite hat. Das bedeutet: Investoren zahlen dafür, ihre Gelder überhaupt in Staatsanleihen „parken“ zu dürfen. Zu diesen Ländern zählen neben Japan und der Schweiz auch Deutschland.

Die langfristigen Folgen sind erschreckend: Versicherungen, Banken und Pensionsfonds erzielen keine akzeptablen Zinserträge mehr. Die betriebliche Altersversorgung wird ebenso erheblich in Mitleidenschaft gezogen wie die private Altersvorsorge. Banken geraten unter Druck und erhöhen die Gebühren für Services, um die Verluste auszugleichen.

Die Konsequenzen in der Zukunft zeichnen sich ab: Die ohnehin demografisch beschleunigte Altersarmut wird sich noch verschärfen, da Betriebsrenten und private Formen der Altersvorsorge infolge des Zinstiefs wesentlich schlechter ausfallen als prognostiziert.

Viele bislang noch einigermaßen ertragreiche Staatsanleihen aus den Neunzigerjahren laufen aus. Versicherungen und Pensionsfonds haben danach Probleme, überhaupt noch Bonds mit einer angemessenen Bonität zu finden, die einen vernünftigen Ertrag abwerfen. Der Rentenmarkt gleicht einer Renditewüste.

Das vorprogrammierte Desaster

Sollten die Zinsen durch ein Ereignis (beispielsweise eine Staatsinsolvenz oder einen deutlichen Anstieg der Inflation) schneller als erwartet in die Höhe schnellen, würden die Anleihenkurse von Papieren mit niedrigem Nominalzins drastisch sinken.

Schon ein geringfügiger Kurssturz am Rentenmarkt hätte beträchtliche Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, denn der Rentenmarkt ist dank der hohen Staatsschulden um ein Vielfaches größer als der Aktienmarkt. Schon kleinste Turbulenzen würden sich überall bemerkbar machen. Die nächste schwere Wirtschaftskrise wird weder vom Aktien- noch vom Immobilienmarkt ausgehen. Sie wird beginnen, wenn die Kurse von Staatsanleihen langsam, aber dann immer schneller fallen werden. Noch können die Notenbanken weltweit die Zinsen niedrig halten. Doch wie lange noch? Diese expansive Geldpolitik lässt sich höchstens noch ein paar Jahre praktizieren.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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