Die EZB und Europas Banken

15-Sonne-cIn der vergangenen Woche sorgte der Bankensektor für zahlreiche Schlagzeilen in allen Medien. Die Angst vor einer neuen Bankenkrise in der Eurozone wächst, und auch die Stabilität der Kreditinstitute wird zunehmend hinterfragt. Einige befürchten bereits eine Situation wie vor dem Zusammenbruch von Lehman Brothers. Was sind die Ursachen für die Bankenkrise in Europa?

Seit dem Jahr 2008 blieben viele Reformen aus. Obwohl die Politik damals eine sofortige Abhilfe und umfassende Reformen versprach, wurde nur wenige Maßnahmen umgesetzt. Die Lage ist in vielen Ländern der Eurozone desolat.

Problem: Das Universalbankensystem

Nach der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 wurde in den USA das Bankensystem in herkömmliche Banken und in Investmentbanken aufgespalten. Mit dieser sinnvollen Trennung wurde das Risiko erheblich minimiert; denn dadurch konnten sich die meisten Banken auf das Geschäft mit Privatkunden fokussieren. In etlichen Ländern Europas wurde eine solche Trennung nie durchgesetzt. Auch die USA haben diese eigentlich sinnvolle Absicherung in den Neunzigerjahren aufgehoben. Das Investment Banking ist wesentlich risikoreicher als das traditionelle Einlagengeschäft.

Problem: Das Nullzinsniveau und die Staatsverschuldung

Da zahlreiche Staaten hoch verschuldet sind, müssen die Notenbanken das Zinsniveau so niedrig wie möglich halten. Schon der geringste Anstieg kann einige Länder in ernsthafte Schwierigkeiten bringen. Daher werden die Zinsen auf ein historisch unvorstellbares Level abgesenkt. Dies wiederum bringt das Kerngeschäft der Banken in Bedrängnis. Auch Versicherungen und Pensionsfonds geraten zunehmend unter Druck.

Schädlich ist auch, dass Staatsanleihen anders als Aktien oder Immobilien nicht zusätzlich besichert werden müssen. Eine spanische oder italienische Staatsanleihe darf ohne jede Sicherheit in die Bücher genommen werden, während äußerst solide Aktien oder werthaltige Immobilien stets hohe Sicherheiten erfordern. Aufgrund dieser grotesken Situation sind heute Banken vollgepumpt mit mehr oder minder sicheren Staatsanleihen, die nur noch geringfügige Renditen abwerfen. Ein Drittel aller Staatsanleihen weltweit weist eine negative Rendite auf, d.h. die Investoren müssen noch zusätzliches Geld entrichten, um ihre Summen in diesen Bonds parken zu dürfen. Eine solche Konstellation gab es in der gesamten Wirtschaftsgeschichte noch nie.

Sollten die Zinsen jemals steigen, würde der Wert dieser Anleihen deutlich fallen. Auch dann wäre eine dramatische Bankenkrise vorprogrammiert.

Hinzu kommt eine Staatsfinanzierung durch die EZB über den Anleihenkauf. Die Zentralbank erwirbt jeden Monat Staatsanleihen in Milliardenhöhe. Die Renditen sinken dadurch noch weiter. Sollte eines Tages ein größerer Staat seine Schulden nicht mehr zurückzahlen können, müsste die EZB ihre Mitgliedsländer um einen Ausgleich bitten. An diesem Punkt wäre die Eurozone am Ende und eine Währungsreform nicht mehr aufzuhalten.

Die Zukunft: Die Einführung von Negativzinsen

Wenn die deflationäre Phase weiter bestehen bleibt, werden die Notenbanken irgendwann Negativzinsen einführen müssen. Ob dies ohne ein Verbot von Bargeld funktioniert, ist noch offen. Jedenfalls würden Negativzinsen das Bankensystem so sehr belasten, dass eine schwere Weltwirtschaftskrise immer wahrscheinlicher würde.

Insgesamt betrachtet ist die momentane Lage langfristig unhaltbar. In der Vergangenheit endete ein solches Szenario in einer schweren Wirtschaftskrise und einem Crash oder einem noch schlimmeren Szenario.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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