Die Schulden weltweit steigen

13-Burg-dWeltweit steigen die Schulden immer schneller. Dies hat beträchtliche Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft: Die Gefahr einer schweren Krise rückt näher. Einem Bericht des Internationalen Währungsfonds zufolge beläuft sich die Schuldenlast aller Staaten rund um den Globus auf geschätzt 152 Billionen US-Dollar. Besonders die Eurozone befindet sich in einer gefährlichen Schuldenspirale, die immer mehr das Bankensystem destabilisiert.

Europas Banken in der Krise

Man hat es nach 2008 versäumt, das europäische Bankensystem angemessen zu rekapitalisieren. Statt dessen wurde die Lösung des Problems einfach in die Zukunft verschoben. Allein in Italien wird die Summe der Kredite, die als notleidend gelten, auf über 360 Milliarden Euro taxiert. In der Eurozone gibt es schätzungsweise Kredite im Wert von 900 Milliarden Euro, die unmittelbar ausfallgefährdet sind oder bereits nicht mehr bedient werden.

Erschwerend kommt hinzu, dass größere Banken eine Menge von unüberschaubaren Derivaten angehäuft haben. Einzelne Banken haben Derivate im Wert von mehr als 50 Billionen Euro in den Büchern. Sollte es an den Finanzmärkten zu einigen abrupten Verwerfungen kommen, könnten einige dieser Derivate fällig werden und innerhalb von Minuten Milliardenverluste nach sich ziehen. Ein Beispiel für ein solches Ereignis war der Flash Crash des Britischen Pfunds, der während der Handelsperiode in Asien (der so genannten „Asian Session“) geschah.

Solche plötzlichen Geschehnisse können sofort den Wert von Derivaten verändern und im Zweifelsfall zu einem Dominoeffekt an den Finanzmärkten führen. Als 2008 mehrere Kreditausfallversicherungen (CDS) fällig wurden, geriet der größte Versicherer der Welt an den Rand einer Katastrophe.

Der „schwarze Schwan“ und die Gefahr einer neuen Weltwirtschaftskrise

Im Finanzjargon werden solche schweren Krisen als „schwarzer Schwan“ bezeichnet. In früheren Jahrhunderten glaubte man, es gebe nur weiße Schwäne, bis ein Forschungsreisender in Australien einen schwarzen Schwan entdeckte. Anders als in der Biologie oder der Physik gilt für die Finanzmärkte keine Gaußsche Normalverteilung. Schwere Krisen und Crashs kommen weitaus häufiger vor, als man vermutet. Allein in den vergangenen zwei Jahrzehnten gab es etliche Krisen mit verheerenden Auswirkungen: Erinnert sei an die Asienkrise im Sommer 1997, die zum Absturz der thailändischen Währung führte und einen Aktienmarktcrash vor allem in Südostasien von mehr als 50 Prozent auslöste. Danach folgte um die Jahrtausendwende die Dotcom-Krise, bei der viele Internetunternehmen insolvent wurde. Deutsche und US-Technologiewerte verloren in wenigen Monaten über 80 Prozent ihres Wertes. Eine weitere Kurslawine wurde durch den 11. September ausgelöst.

2008 führte die Krise am Immobilienmarkt zum Zusammenbruch von mehreren Investmentbanken und brachte die Weltwirtschaft an den Rand des Abgrunds. Ende 2009 begann schließlich die Euro-Krise, die zu riesigen Rettungspaketen innerhalb der Eurozone führte.

Allein diese exemplarische Aufzählung belegt, wie krisengeschüttelt die vergangenen zwei Jahrzehnte waren. Mit dem Brexit, der zunehmenden Desintegration der Eurozone und dem Anwachsen des Populismus in vielen Ländern steuern wir auf eine nächste Krise zu. Nur diesmal werden die Auswirkungen noch viel beträchtlicher als 2008 sein, da man es versäumt hat, rechtzeitig Vorsorge zu treffen und viele Länder so hoch verschuldet sind, dass in vielen Staaten nicht mehr genügend Mittel vorhanden sind, um gegenzusteuern.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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