Eine neue Rezession 2016 oder 2017?

02-Klippe-eViele halten eine Rezession im Augenblick für unwahrscheinlich. Doch eine genauere Betrachtung zeigt auf, dass die Wahrscheinlichkeit eines ausgeprägten konjunkturellen Rückgangs deutlich steigt. Immerhin ist der jetzige Wirtschaftszyklus die viertlängste Boomphase in der Geschichte der USA. Doch es gibt bereits einige Warnsignale. Eine Rezession im Jahr 2017 wird immer wahrscheinlicher.

Schwaches Wirtschaftswachstum

Im Vergleich zu den Vorjahren ist das Wirtschaftswachstum in den USA schwächer geworden. Die Prognose für das laufende Jahr liegt dem Internationalen Währungsfonds zufolge bei 1,6 Prozent. 2015 belief sich der Wert noch auf 2,6 Prozent. Diese Kennzahlen sind weitaus besser als die Wirtschaftsdynamik in der ständig schwächelnden Eurozone; dennoch zeichnet sich auch in den USA ein verringertes Wirtschaftswachstum ab. Dies ist der schwächste Zuwachs seit 2009.

Welchen Einfluss haben Wahlen auf die Märkte?

Erstaunlicherweise sind die Auswirkungen von Wahlen und politischen Faktoren geringer als befürchtet. In den vergangenen Jahrzehnten führten politische Ereignisse nur zu zeitweiligen Kursrückgängen und Rezessionen. Viel verheerender waren langfristige ökonomische Entwicklungen.

Ein typisches Beispiel ist der Brexit. Der für viele Beobachter überraschende Ausgang des Referendums in Großbritannien führte dazu, dass die Märkte weltweit den Rückwärtsgang einlegten. Doch schon nach einigen Wochen waren die Verluste wieder kompensiert.

Die Blase am Rentenmarkt

Wesentlich problematischer sind langfristige Entwicklungen in der Weltwirtschaft. So wirkt sich die fehlende Wettbewerbsfähigkeit etlicher Länder in der Eurozone viel fataler aus. Ein weiteres Problem stellt die gigantische Blase am Rentenmarkt dar; denn dieses Segment befindet sich seit Anfang der Achtzigerjahre in einem beispiellosen Aufwärtstrend. Aufgrund des Niedrigzinsumfelds wird die Lage für Banken, Versicherungen und Pensionsfonds immer schwieriger. Sollten irgendwann die Zinsen auch nur geringfügig ansteigen, würde dies eine Lawine am Rentenmarkt auslösen.

Der Ausgang der Wahlen in den USA sowie in Deutschland und in Frankreich im kommenden Jahr wird die ökonomische Situation nicht unmittelbar tangieren. Aber die Wahlen könnten ein auslösendes Moment für eine Wirtschaftskrise sein. Eine mittlere bis schwere Rezession im Jahr 2017 rückt näher, zumal viele Probleme in der Eurozone und in anderen Regionen der Welt bislang ungelöst sind.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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