Niedrigzinsen, Renten und Altersarmut

13-Burg-dDas Thema Altersarmut wird in den kommenden Jahren erheblich an Bedeutung gewinnen. Immer mehr Menschen werden von ihrer gesetzlichen Rente kaum noch leben können. Neben der demografischen Entwicklung in Deutschland und anderen Ländern spielt auch die anhaltende Niedrigzinsphase eine entscheidende Rolle. Nach 2030 sinkt das Rentenniveau auf erschreckende 43 Prozent. Wer nicht ausreichend vorgesorgt hat, wird den bisherigen Lebensstandard nicht halten können.

Die kommende Altersarmut

Noch versucht die Politik die Brisanz dieser Entwicklung zu verharmlosen. Doch langfristig werden immer mehr Menschen von ihrer gesetzlichen Rente kaum noch leben können. In teuren Großstädten wie München wird das Einkommen im Alter nicht annähernd ausreichen.

Diese erschreckende Entwicklung zeichnete sich bereits Anfang der Siebzigerjahre ab, als der demografische Rückgang erstmals sichtbar wurde. Da die Demografie aber sich über Jahrzehnte zieht, neigt man in der Politik dazu, sie auszublenden und nicht auf die Tagesordnung zu setzen . Die Folgen sind verheerend. Längst hätte man das Umlagesystem grundlegend umbauen müssen; denn die jüngere Generation kann keineswegs die hohen Lasten schultern, die nach 2030 auf sie zukommen werden. Wie in vielen Bereichen – nicht zuletzt der Europolitik – werden Lösungen ständig hinausgezögert und das Problem auf ungewisse Zeit vertagt.

Sackgasse Betriebsrente

Auch die Intention, die Betriebsrenten zu stärken, ist eine Sackgasse. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung hat keinen Anspruch auf eine Betriebsrente, da Klein- und mittelständische Unternehmen sich zurückhaltend zeigen. Auch große Konzerne tun sich schwer, die wachsenden Lasten zu stemmen. Hinzu kommt eine hohe Abgabenbelastung, die die Betriebsrenten zusätzlich schmälert. Die Stärkung der Betriebsrente ist eine Sackgasse, die das grundlegende Problem nicht löst, zumal aufgrund der Niedrigzinsen die Pensionsfonds keine angemessene Rendite erwirtschaften können. Hinzu kommen beträchtliche Verwaltungskosten.

Dasselbe gilt für die Förderung der privaten Altersvorsorge. Gerade einkommensschwache Bevölkerungskreise können sich die private Zusatzvorsorge nicht leisten. Auch die staatliche Förderung läuft völlig ins Leere, da die hohen Kosten und die Niedrigzinsen eine vernünftige Rendite verhindern. Zudem wird die staatliche Förderung vorwiegend von Personen in Anspruch genommen, die bereits ein hohes Einkommen aufweisen.

Was ist die Lösung?

Aufgrund der demografischen Entwicklung sind die Weichen bereits gestellt. In den Siebzigerjahren hätte man noch eine Chance gehabt, die Entwicklung in eine andere Richtung zu lenken. Doch nun ist es bereits zu spät. Alle ergänzenden Maßnahmen (wie die Stärkung der privaten Altersvorsorge und die Ausweitung der betrieblichen Altersversorgung) werden keine nachhaltige Abhilfe schaffen. Die Niedrigzinsen, mit denen vor allem Staaten ihre Schuldenlast verringern, verhindern das. Statt dessen wird man früher oder später eine staatliche Grundrente einführen müssen. Vorbilder sind hier die Niederlande und Schweden. Häufig sträubt man sich gegen eine staatliche Rente und eine Aufweichung des Sozialversicherungsprinzips. Doch Fakt ist: Schon jetzt müssen über 100 Milliarden Euro jährlich vom Staat in die Rentenkasse einbezahlt werden.

In den Niederlanden beruht die gesamte Altersvorsorge auf einem Drei-Säulen-System: einer staatlichen Grundrente, die jeder erhält (in Höhe von über 1000 Euro monatlich), eine staatlich geförderte Betriebsrente und eine umfassend geförderte private Altersvorsorge. Dieser vielschichtige Ansatz ist weitaus weniger anfällig für Wirtschaftskrisen und demografische Entwicklungen als das deutsche Modell, das sich hauptsächlich auf die gesetzliche Rente stützt und noch aus dem 19. Jahrhundert stammt. Darüber hinaus könnte auch Schweden ein Vorbild sein, das das Sparen auf die Altersvorsorge mit einem einfachen und transparenten System ohne hohe Verwaltungskosten ermöglicht. Vorbildlich ist auch Dänemark, ein Land, das weltweit das beste Rentensystem hat. Dort erreichen Pensionäre ein Rentenniveau von über 80 Prozent.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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