Die Herausforderungen der Globalisierung

17-Muenze-dDie Präsidentschaftswahlen in den USA haben für eine große Überraschung gesorgt. Entgegen der Mehrzahl der Prognosen und den Verlautbarungen der Medien wurde Donald Trump zum Präsidenten gewählt. In vielen anderen Ländern wie Österreich oder Frankreich zeichnen sich ähnliche Tendenzen ab. Beobachter halten die fortschreitende Globalisierung für eine der Ursachen. Ist dies der Fall?

Globalisierung und Europa

Tatsächlich profitiert Deutschland wie kaum ein anderes Land von der Globalisierung. Die Automobil- und die Maschinenbauindustrie sind auf offene Märkte und einen freien Welthandel angewiesen. Würden sich mehr Länder abschotten, führte dies zu gravierenden Problemen. Insofern ist die Globalisierung für Deutschland von großer Bedeutung.

Es ist jedoch zu erkennen, dass viele Staaten sich schwer tun, den beschleunigten Wandel und das hohe Tempo der Innovationen zu meistern. Die Reallöhne sind in einem Großteil der Eurozone kaum noch gestiegen oder sogar rückläufig. Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst von Tag zu Tag.

In Zukunft werden die Herausforderungen sogar noch erheblich wachsen; denn bislang haben etliche Staaten in der Eurozone noch immer nicht die Krise von 2007/2008 bewältigt. In Ländern wie Frankreich, Spanien oder Italien liegt die Industrieproduktion fast ein Jahrzehnt später noch immer unter dem Vorkrisenniveau.

Eine ausreichende Rekapitalisierung des Bankensystems hat nicht stattgefunden. In etlichen Mitgliedsstaaten der Eurozone sind die Menschen schlecht gerüstet für die Entwicklungen in der Weltwirtschaft. Die Staatsschulden steigen weiter. In Italien liegt die Quote bei über 130 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – und dies sind nur die offiziellen Zahlen, die die impliziten Staatsschulden ausklammern.

Die anstehenden Wahlen und das Jahr 2017

Wenn es nicht gelingt, diese Probleme (hohe Staatsschulden, mangelnde Wettbewerbsfähigkeit) in absehbarer Zeit  zu lösen, wird Europa weiter zurückfallen und scheitern. In den nächsten Wochen und Monaten stehen Ereignisse bevor, die darüber entscheiden könnten, ob die Eurozone und die Europäischen Union zerbrechen. Hierzu gehören das Verfassungsreferendum in Italien, die Präsidentschaftswahlen in Österreich, die Wahlen in Frankreich, in den Niederlanden und in Deutschland.

Die US-Wahlen haben gezeigt, dass die Herausforderungen der Globalisierung und die Aufgabe, den Wohlstand und die soziale Sicherheit für die gesamte Bevölkerung zu verbessern, eine herausragende Rolle spielen. 2017 könnte zu einem Schicksalsjahr für Europa werden.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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