Schweres Jahr 2017: Die Rezession kommt

15-Sonne-aDas kommende Jahr dürfte äußerst schwierig werden. Nicht nur die Wahlen, in Frankreich, Deutschland und in den Niederlanden, der Brexit und die politische Unsicherheit in etlichen Ländern spielen eine Rolle, sondern es gibt zudem sehr deutliche und unverkennbare Anzeichen, dass 2017 vermutlich eine Rezession eintritt. Die Weltwirtschaft ist auf eine solche Situation schlecht vorbereitet. Weshalb ist eine Rezession sehr wahrscheinlich?

Grund 1: Bislang blieb eine schwere Rezession aus

Wirtschaftskrisen treten erfahrungsgemäß in bestimmten Zyklen auf. In der Regel ist mit einem schwereren konjunkturellen Rückgang alle 7 bis 8 Jahre zu rechnen. Seit der Immobilienmarktkrise in den Jahren 2007 und 2008 ist fast ein Jahrzehnt verstrichen. Unzählige wirtschaftliche und politische Probleme wurden jedoch kaum oder nur sehr unzulänglich gelöst. Hierzu gehören die Krise in der Eurozone, die mangelnde Kapitalisierung des Bankensystems und die gravierenden sozialen Probleme in Europa.

Italien und Griechenland sind hoch verschuldet; das europäische Bankensystem befindet sich in einer bedenklichen Situation, und die Arbeitslosenquoten in Griechenland und Spanien verharren auf einem hohen, unerträglichen Niveau. Die Industrieproduktion etlicher Länder (wie Frankreich, Italien) fällt weiter, und auch die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit sinkt drastisch. Das Verfassungsreferendum in Italien und die Wahlen in Frankreich sowie die Verhandlungen über den Brexit könnten Europa zutiefst erschüttern.

Grund 2: Die US-Statistik

Die Statistik zu den Wahlen in den USA zeigt außerdem Folgendes auf: Jedesmal wenn nach der zweiten Amtszeit eines Präsidenten ein Regierungswechsel wie jetzt eintrat, kam es zu einer Rezession. Diese statistische Gesetzmäßigkeit lässt sich seit 1910 beobachten. Nur im Jahr 1979 gab es eine Ausnahme, als Carter zum Präsidenten gewählt wurde (jedoch bekleidete sein Vorgänger Ford das Amt nur eine Legislaturperiode).

Grund 3: Die Veränderungen am Anleihenmarkt

Seit der US-Wahl sinken weltweit die Kurse von Staatsanleihen, was auf steigende Zinsen hindeutet. Beobachter rechnen ohnehin damit, dass die US-Notenbank in absehbarer Zeit den Leitzins anheben wird. Die Kapitalströme bewegen sich schon jetzt von den Schwellenländern in Richtung USA.

Auch in Europa machen sich diese Veränderungen bemerkbar. In Ländern wie Italien, Spanien und Portugal steigen die Renditen für Staatsanleihen. Sollte auch in Europa das Zinsniveau allmählich nach oben tendieren, würde dies die Staatsfinanzen in vielen Mittelmeerländern erheblich belasten. Langfristig kann sich Europa nicht von der Zinsentwicklung in den USA abkoppeln. Die Schuldenkrise könnte sich erneut verschärfen.

Fazit: Das Jahr 2017 dürfte zu einem ernsten Krisenjahr werden. Eine Rezession bahnt sich an, und auch mit politischen Verwerfungen ist zu rechnen. Solange die grundlegenden Probleme (mangelnde Wettbewerbsfähigkeit, hohe Staatsverschuldung, eine sich verschärfende Bankenkrise, wachsende soziale Probleme und wachsende soziale Ungleichheit, eine verlorene Generation in den Mittelmeerländern) nicht konstruktiv gelöst werden, besteht die Gefahr, dass die Rezession ernsthafte Konsequenzen im wirtschaftlichen und politischen Bereich haben wird.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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