Die Krise in Europa

17-Muenze-aEuropa befindet sich in einer schweren und dauerhaften Krise, die sich immer mehr ausweitet. Die gesamte Region verliert zunehmend an Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit und wirkt wie erstarrt. Die Eurozone ist im Begriff auseinanderzubrechen. Ohne umfassende Reformen ist ein Scheitern vorprogrammiert. Die Politik hat die vergangenen Jahre nicht dazu genutzt, endlich die Probleme zu überwinden. Betrachten wir die Aspekte im Einzelnen.

Die hohe Arbeitslosigkeit

Es ist skandalös, dass das Problem der Arbeitslosigkeit in der Eurozone kaum Beachtung findet. In Ländern wie Italien, Griechenland, Spanien und Portugal sind 40 bis 50 Prozent der jungen Menschen arbeitslos. Es wächst eine desillusionierte und verzweifelte „lost generation“ heran, die nie eine Chance auf dem Arbeitsmarkt erhalten hat.

In Griechenland stagniert die Arbeitslosenquote bei fast 25 Prozent, und in Spanien liegt die Marke bei 20 Prozent. Trotz dieser erschreckenden Rekordzahlen, die eine Gesellschaft vor eine Zerreißprobe stellen, kommen weder aus Brüssel noch aus Berlin konstruktive Lösungsvorschläge. Eine Verantwortung für ein gemeinsames Europa fehlt. In Griechenland fallen Arbeitslose nach einem Jahr durch das soziale Netz. Eine langfristige Arbeitslosen- oder Krankenversicherung gibt es nicht. Die sozialen Spannungen und die Perspektivlosigkeit wachsen.

Das niedrige Wirtschaftswachstum und die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit

In vielen Ländern der Eurozone ist die Industrieproduktion rückläufig. In Staaten wie Frankreich, Italien, Spanien und Griechenland konnte nicht einmal an das Vorkrisenniveau von 2008 angeknüpft werden. Die Produktivität fällt, und in etlichen Ländern gab es keine realen Lohnsteigerungen mehr. Die Armut nimmt zu, und der Lebensstandard sinkt. Im technologischen Wettbewerb spielen Länder wie Italien, Spanien oder Frankreich kaum noch eine Rolle.

Die hohe Staatsverschuldung und das Bankensystem

Die Staatsverschuldung erreicht weltweit Rekordstände. Länder wie Japan sind mit 240 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verschuldet. Doch auch in der Eurozone ist der Schuldenstand mehr als erschreckend. Italiens offizielle Staatsverschuldung wird auf über 133 Prozent des Bruttoinlandsprodukts taxiert. Doch die impliziten Staatsschulden, die sich aus sozialstaatlichen Verpflichtungen ergeben, sind um ein Vielfaches höher.

Der Euro und die Eurozone werden scheitern, wenn es nicht gelingt, die Staatsschulden zu reduzieren, die Produktivität zu verbessern und für mehr Wohlstand zu sorgen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies gelingt, ist äußerst gering; denn bislang wurde keines der grundlegenden Probleme auch nur annähernd gelöst.

Sollte die Eurozone auseinanderbrechen, hätte dies verheerende und kaum vorstellbare verhängnisvolle Auswirkungen auf unsere Zukunft, den Wohlstand, der in Jahrzehnten erarbeitet wurde, und die gesamte Weltwirtschaft. Was wir brauchen, sind konstruktive und gut durchdachte Lösungen für die dringendsten Probleme in Europa.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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