Die Probleme in Italien

17-Muenze-cItalien steht vor großen Herausforderungen. Nach dem Referendum und dem Scheitern der Reformen, die von Renzi vorgeschlagen wurden, ist Italien tief gespalten. 59 Prozent entschieden sich gegen die Verfassungsreform. Der Stillstand hält an, und noch immer ist die Zukunft für Italien ungewiss. In den vergangenen Jahren wurden etliche Probleme nicht gelöst, die nun immer mehr die wirtschaftliche und soziale Situation prägen. Was sind die größten Probleme Italiens?

Die hohe Staatsverschuldung

Italien ist mit offiziell über 133 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verschuldet. Diese Zahl bildet aber nicht die tatsächliche Verschuldung ab, da der Staat zahlreiche sozialstaatliche Verpflichtungen hat, die hier ausgeklammert werden. Die so genannten impliziten Staatsschulden betragen nämlich ein Vielfaches davon. Dies gilt natürlich auch für andere Länder wie Deutschland.

In Italien ist diese Belastung aber besonders hoch, da die Demografie schneller als hierzulande einen kritischen Punkt erreicht. Das Rentensystem ist wesentlich schlechter aufgestellt, und die geringe Geburtenrate sorgt für weiteres Konfliktpotenzial. Italien wird innerhalb von zehn Jahren schneller an die Belastungsgrenze gelangen als Deutschland oder Japan.

Das geringe Wirtschaftswachstum

Die Industrieproduktion in Italien ist seit langem rückläufig und liegt unter dem Vorkrisenniveau des Jahres 2007. Es mangelt an Innovationsfähigkeit. Die Arbeitslosigkeit stagniert bei rund 12 Prozent, und mehr als 36 Prozent der jungen Erwachsenen sind arbeitslos. Ganze Regionen in Süditalien sind vom Wachstum abgekoppelt und fallen immer mehr zurück.

Das schwache Bankensystem

Nach der Krise im Jahr 2008 wurde es versäumt, das Bankensystem in der Eurozone zu sanieren und rekapitalisieren. Besonders in Italien macht sich dieses Problem bemerkbar. Es wird geschätzt, dass italienische Banken notleidende und uneinbringliche Kredite in einer Größenordnung von mehr als 300 Milliarden Euro haben. Dieses Problem betrifft nicht nur Italien, sondern mehrere Staaten der Eurozone. Wenn es früher oder später zu einem Zinsanstieg kommt, könnte dieser Umstand eine verhängnisvolle Bankenkrise in Europa auslösen.

Wie kritisch die Situation in der Eurozone ist, zeigt auch die Entwicklung der Target-Verbindlichkeiten. Diese entstehen dadurch, dass beim Handel innerhalb der Eurozone Kredite vergeben werden, die über das Notenbanksystem weitergereicht werden. Im vergangenen Monat lagen diese Target-Salden bei über 750 Milliarden Euro. Das ist die Summe, die die anderen Länder der Eurozone noch nicht an Deutschland bezahlt haben.

Das schwierige Jahr 2017

Wenn die Eurozone zerfiele und Italien die EU nach einem Referendum verlassen würde, würden vermutlich andere Länder wie Griechenland einen ähnlichen Schritt wagen. Es wäre dann fraglich, ob die Schulden noch getilgt würden und in welcher Währung. Enorme Summen (Target-Verbindlichkeiten, von der EZB gehaltene Staatsanleihen, ESM, Griechenland-Hilfen) könnten verloren gehen. Angesichts dieser düsteren Aussichten bleibt zu hoffen, dass in Europa endlich konstruktive und effiziente Reformen eingeleitet werden.

Solche Reformen sollten die soziale und wirtschaftliche Situation in allen Ländern der Eurozone erheblich verbessern, das Bankensystem umfassend stabilisieren und für mehr Wachstum sorgen. Gelingt es nicht, wird das Jahr 2017 zu einem schweren Krisenjahr werden.

Über den Autor

geraldpilz

Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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