Was bringt das Jahr 2017?

17-Muenze-dNatürlich sind alle Vorhersagen äußerst schwierig und liegen nicht selten daneben. Auch führende Wirtschaftsforschungsinstitute und Analysten tun sich schwer, präzise und treffsichere Prognosen abzugeben. Häufig wird die gegenwärtige Entwicklung in die Zukunft projiziert; ein plötzlicher Wandel wird selten vorhergesehen. Dennoch möchte ich hier einige grundlegende Thesen für die Entwicklung im Jahr 2017 aufstellen.

These 1: Die Zinsen werden steigen.

Schon jetzt zeichnet sich in den USA ein Anstieg der Zinsen ab. Zwar werden die Erhöhungen der Federal Reserve sich in einem moderaten Rahmen bewegen, aber der Anstieg wird deutliche Auswirkungen haben. Die Nachfrage auf dem Immobilienmarkt wird sich eher rückläufig entwickeln. Langfristig kann sich die Eurozone nicht von der Zinsentwicklung in den USA abkoppeln. Deshalb werden auch in der Eurozone die Zinsen langfristig anziehen. Allerdings wird die Niedrigzinsphase in Europa noch länger anhalten.

These 2: Es kommt zu einer Rezession in den USA und in Europa.

Diese These mag überraschend erscheinen, ist es aber nicht. Zurzeit sind die Aussichten in allen Prognosen eher optimistisch. In den USA, aber auch für Europa werden steigende Wachstumsraten vorhergesagt; selbst für Griechenland und Spanien werden äußerst zuversichtliche Vorhersagen erstellt.

Doch die Statistik spricht dagegen: Wenn in den USA nach einer zweiten Amtsperiode ein Regierungswechsel stattfand, kam es im 20. Jahrhundert stets zu einer Rezession. Es gibt nicht eine einzige Ausnahme. Zwar spiegeln Statistiken nur Wahrscheinlichkeiten wider, aber warum sollte es diesmal anders sein?

These 3: Der Welthandel ist rückläufig.

Die Globalisierung scheint an Grenzen zu stoßen. Dies zeigt sich auch an der Krise im Schifffahrtsbereich. Ein weiteres deutliches Anzeichen ist die Entschlossenheit des US-Präsidenten zukünftig auf bilaterale Handelsabkommen zu setzen. Protektionistische Tendenzen im Außenhandel sind in vielen Ländern zu beobachten.

These 4: Die sozialen Probleme in der Eurozone nehmen weiter zu.

Das europäische Bankensystem benötigt eine umfassende Rekapitalisierung. Etliche Länder sind nicht ausreichend wettbewerbs- und innovationsfähig, und die sozialen Probleme verschärfen sich. Die Arbeitslosigkeit in Italien, Griechenland und Spanien stagniert auf einem hohen Niveau – besonders unter jungen Erwachsenen. Es sind dringend Reformen nötig. In Griechenland gibt es bis heute keine langfristige Arbeitslosenversicherung. Viele Menschen fallen durch das soziale Netz.

Das Jahr 2017 wird zu einem Schicksalsjahr werden, das über die langfristigen Perspektiven Europas entscheidet; viele neue Herausforderungen stehen bevor. Wenn es nicht gelingt, die dringendsten wirtschaftlichen und sozialen Probleme in der Eurozone zu lösen, wird 2017 zu einem sehr schweren Jahr werden.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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